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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Imitationen und der Wissensstand des Marktes

Nachdem wir uns die Wirkung von Imitationen auf der Kundenebene angesehen haben, wollen wir uns nun der Betrachtung des gesamten Marktes zuwenden.

Wenn der Markt einer Imitation ausgesetzt ist, wird sich das gesamte Wissen aller Kunden auf dem Markt auch nur in eine Richtung, nämlich die der Wissensmehrung, bewegen. Diese Wissensmehrung setzt in dem Moment ein, in dem der erste potentielle Käufer findig genug war, die neue Gelegenheit wahrzunehmen, bzw. von dem Produzenten-Unternehmer über das Vorhandensein des Angebotes (z.B. durch Werbung) informiert wurde. Dieses Wissen gibt er an andere Kunden weiter, die dann die Imitation entdecken bzw. selber findig genug waren, die Chance zu erkennen. Es kommt ein Diffusionsprozess in Gang, in dessen Folge immer mehr Kunden die Imitation wahrnehmen und dementsprechend ihr Wissen erweitern. Das Wissen der Käufer in einem Markt wächst somit im Laufe der Zeit an, abhängig davon wie viele Kunden pro Zeiteinheit die Imitation erkennen (vgl. Rese 2000, S. 127).

Wir können dabei davon ausgehen, dass anfangs nur sehr wenige Akteure das Angebot wahrnehmen werden und sich deshalb das Wissen auf dem Gesamtmarkt zuerst nur langsam erhöht. Nach und nach entdecken dann immer mehr Menschen das preisgünstigere Angebot dadurch, dass sie mit anderen kommunizieren und sich austauschen. Dies führt dazu, dass die Zahl der nun besser Informierten und mit mehr Wissen ausgestatteten Menschen pro Zeiteinheit steigt und damit auch das Marktwissen schneller wächst. Mehr und mehr durchdringt das neue Preiswissen den Markt und sobald die Mehrzahl der auf dem Markt befindlichen Kunden die neue Preisinformation erhalten hat, wächst auch das Marktwissen wieder langsamer.

In der Abbildung 7 sieht man noch einmal deutlich den Unterschied zu der Wissenswirkung die eine Innovation verursacht.

Abbildung 7: Wissensentwicklung des Marktes im Falle einer Imitation

(in Anlehnung an Rese 2000, S. 126)

Der Effekt der Wissensentwertung durch unsicherer werdende Bewertungsmaßstäbe fällt weg. Statt dessen findet nur eine Wissensmehrung durch das Entdecken der preislich günstigeren, ansonsten aber identischen, Alternative statt, die im Laufe der Zeit immer mehr Akteure auf dem Markt wahrnehmen.

Wie wir sehen, wirkt eine Imitation auf den Markt, anders als die Neuerung, immer nur in Richtung Wissensmehrung. Selbst wenn weder Imitation noch Neuerungen auf den Markt gelangen würden, vergrößert sich das Wissen der Marktakteure dadurch, dass marktliches Handeln und Transaktionen an sich neues Wissen über die Bedingungen des Marktes hervorbringt. Imitationen bewirken so auch immer eine Bewegung hin zu einem Gleichgewichtszustand, welche die möglichen zerstörenden Kräfte einer Innovation kompensiert (vgl. Innovation und neue Medien 2003, S. 13).

Wenn wir, wie hier, die Anbieteroptionen Imitation und Neuerung betrachten und damit Wissensentwicklungen bei einzelnen Akteuren und auf Märkten erklären, müssen wir uns jedoch immer vor Augen halten, dass wir nur einen Ausschnitt betrachten. Ich habe lediglich untersucht, wie sich Wissen verändert, wenn eine Neuerung bzw. eine Imitation auf den Markt kommt. Auf realen Märkten ist es jedoch so, dass einige Anbieter Neuerungen, andere wiederum Imitationen auf den Markt bringen und dieses möglicherweise zu einem ähnlichen Zeitpunkt. Bestimmte Effekte können sich so überlagern und damit abschwächen oder verstärken. Auch die Reaktionen von Anbietern auf die Aktionen anderer Anbieter kann dies hervorrufen (vgl. Rese 2000, S. 127 Fußnote 1). Die Konsequenz dieser Annahmen ist, dass sich Tendenzen, wie Wissensmehrung oder Wissensentwertung, auf Märkten nicht mehr eindeutig bestimmen lassen. „Die speziellen Lektionen, die die Markterfahrung vermittelt, sind nicht anhand der modernen Entscheidungstheorie verständlich; sie sollten vom Wirtschaftswissenschaftler nur als empirische Regelmäßigkeiten – sofern es solche Regelmäßigkeiten überhaupt gibt – verstanden werden, die zufällig so sind, wie sie sind“, führt Kirzner (1988, S. 39) an und meint weiter, dass man keine Rückschlüsse auf künftige Entscheidungen und Entwicklungen ziehen könne.

Gleichwohl ist es uns auch nicht möglich, zu sagen, wie sich das Wissen der Marktteilnehmer aufgrund unserer beiden Anbieteroptionen Imitation und Innovation tatsächlich entwickelt, denn wenn viele Anbieter Neuerungen oder imitierte Produkte auf den Markt bringen, deren Wissenswirkungen in der Höhe unklar sind, lassen sich nur exemplarische Aussagen über Entwicklungsrichtungen des Wissen auf Märkten vornehmen.
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