Innovationen und der Wissensstand des Marktes
Wir haben bereits weiter oben gesehen, dass für die Wissensentwicklung eines Marktes sowohl die Kommunikation von Kunden zu Kunde als auch die Kommunikation von Anbieter zu Kunde sowie deren jeweilige Intensität von Bedeutung sind (vgl. Rese 2000, S.123).
Die Wissenswirkung einer Neuerung für den Gesamtmarkt hängt aber noch von einer ganzen Reihe unterschiedlicher Faktoren ab. Bedeutend ist hier, wie auch auf der Einzelkundenebene, der Grad der Neuerung und die Häufigkeit von Neuerungen auf dem Markt. Je häufiger Innovationen auf einen Markt gelangen, desto dominierender wird der Effekt der Wissensentwertung auf den Markt wirken. Da die Innovationen schneller auf den Markt gelangen als neue Erfahrungen im Zeitablauf gesammelt werden können, verringert sich das Marktwissen insgesamt gesehen. Ebenso ist es, wenn der Grad der Neuerung sehr hoch ist. Die Wissensentwertung wird dann anfangs sehr hoch sein und nur langsamer kompensiert werden können als bei weniger radikalen Neuerungen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Definition des Unternehmertums nach Schumpeter (vgl. Kirzner 1978, S.103). Dieser bezeichnet den Unternehmer als Zerstörer vorhandener Strukturen, der durch Innovationen den Markt vom Gleichgewicht weg bewegt. „Durch seine Innovationen zerstört der Schumpetersche Unternehmer bestehende Marktgleichgewichte und verschafft sich eine Monopolstellung. Die aus der Monopolstellung resultierenden Unternehmergewinne ziehen Nachahmer an“ (Innovation und neue Medien 2003, S. 13).
Häufige Innovationen mit einem hohen Neuerungsgrad können also dazu führen, dass sich der Wissensstand des Marktes insgesamt verringert. Dies führt wiederum dazu, dass sich in dem Fall der Markt nicht in Richtung eines Gleichgewichtes (13) bewegt.
Nach Rese gibt es noch weitere, den Prozess der Wissensentwicklung beeinflussende Faktoren wie z.B. die (Wissens-)Ausstattung der auf dem Markt befindlichen Kunden, die Häufigkeit der Transaktionen sowie die Intensität der Kommunikation. Betrachten wir zunächst den zweiten und dritten Fall (vgl. Rese 2000, S. 124). Die Häufigkeit der Transaktionen und die Intensität der Kommunikation unter den Marktteilnehmern ist bestimmend für den dritten, von uns erkannten, Wissenseffekt bei einer Neuerung, die Wissensmehrung durch sicherer werdende Bewertungen. Je häufiger Transaktionen mit dem neuen Angebot durchgeführt werden, desto schneller schreitet diese Wissensmehrung durch sicherer werdende Bewertungen voran. Ebenso ist es bei einer intensiven Kommunikation unter den Marktteilnehmern. Auf relativ kleinen Investitionsgütermärkten beispielsweise, auf denen nur wenige Transaktionen durchgeführt werden, kann die Wissensmehrung durch wiederkehrende Handlungen langsamer von statten gehen als auf großen Konsumgütermärkten wo dies häufiger geschieht.
Berücksichtigt man all diese Faktoren, wird schnell klar, dass es schwierig ist, eine generelle Aussage über die Wissensentwicklung in Märkten zu treffen. Unsere bereits herausgearbeiteten Wissenseffekte werden durch die genannten Faktoren beeinflußt und die Höhe ihrer Wirkung im Gesamtmarkt bleibt somit unklar. Sieht man von der Stärke der einzelnen Effekte einmal ab, lassen sich dennoch auf jedem Markt unsere drei beschriebenen Effekte - die Mehrung von Sachwissen, die Wissensentwertung durch Bewertungsunsicherheit und der Wissenszuwachs durch eigene realisierte oder beobachtete Transaktionen - feststellen. Abbildung 5 zeigt diese drei Effekte noch einmal in beispielhafter Weise:

Abbildung 5: Wissensentwicklung des Marktes im Falle einer Neuerung
(in Anlehnung an Rese 2000, S. 125)
Im Laufe der Zeit erhalten immer mehr Käufer neues Sachwissen, in dem sie die neue Alternative bemerken. Der Verlauf der Kurve kann dabei verschieden sein und hängt von der „...Menge an Kunden, die pro Zeiteinheit die ‚Neuerung‘ für sich entdecken und damit Teil der Wissensentwicklungskurve werden“ (Rese 2000, S. 125) maßgeblich ab.
Durch das Bemerken des neuen Angebotes wird, wie schon im vorigen Kapitel beschrieben, Bewertungswissen verringert. Auf den Markt bezogen, verläuft diese Entwertung von Wissen parallel zur Entdeckung der Innovation durch die Kunden und hängt auch wiederum von der Menge der Käufer pro Zeiteinheit ab, welche die Neuerung wahrnehmen. Zuerst wird also sowohl der Wissenszuwachs durch neues Sachwissen als auch die Wissensentwertung auf dem Markt nur gering sein. Je mehr Akteure jedoch von der neuen Gelegenheit Kenntnis erlangen, desto deutlicher werden diese beiden Effekte sein.
Der dritte, schon angesprochene, Effekt führt dann wieder zu einer Anhebung des Marktwissensstandes, wird aber, wie bereits gesagt, von der Häufigkeit der Transaktionen und der Intensität der Kommunikation unter den Marktteilnehmern beeinflusst. Je mehr Transaktionen mit dem neuen Angebot durchgeführt werden und je intensiver die Kommunikation unter den Marktakteuren ist, desto schneller wird der Effekt der Wissensentwertung kompensiert werden.
(13) Der Gleichgewichtszustand wäre ein Zustand vollkommener Information auf dem Markt.
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