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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Der Marktprozess - Gleichgewichtstendenz vs. kaleidoskopische Marktentwicklung

Unter den Vertretern der „Österreichischen Schule“ ist es umstritten, in welche Richtung sich die im Markt stattfindenden Prozesse entwickeln und welche Tendenzen sie aufweisen. Während Vertreter wie Lachmann oder Shackle von einer Art kaleidoskopischen Entwicklung des Marktes ausgehen, vertreten z.B. Hayek und Kirzner den Standpunkt (vereinfacht ausgedrückt), dass sich der Markt zumindest in Richtung eines Gleichgewichtes entwickeln würde (vgl. Lingen 1993, S. 188ff.). Gleichgewicht stellt dabei einen (idealisierten) Endpunkt eines Prozesses dar, einen Punkt vollständigen Wissens unter den Marktteilnehmern: „Jeder Marktteilnehmer hat alle relevanten Entscheidungen anderer richtig vorhergesehen; er hat seine Pläne in voller Kenntnis dessen gemacht, was er am Markt nicht tun kann, aber gleichzeitig in voller Gewißheit dessen, was er tun kann “ (Kirzner 1978, S. 8).

Dieser Prozess, dessen Endpunkt (der jedoch nie erreicht wird) Kirzner hier beschreibt, basiert auf der Eigenschaft des Menschen, aus Fehlern zu lernen und die Handlungen in der darauffolgenden Periode dementsprechend anzupassen. Der Prozess der Bildung neuen Wissens verleiht dem Marktprozess eine „gerichtete Tendenz“ hin zu einem entfernten, niemals zu erreichenden Gleichgewicht. Diese Tendenz beruht auf dem, mit zunehmenden Wissen, konvergieren der subjektiven Erwartungen der einzelnem Akteure (vgl. Lingen, 1993, S. 188).

Anders dagegen die Haltung von Shackle und Lachmann. Sie betonen die Bedeutung der individuellen Bildung von Erwartungen und bezeichnen es als „...logisch widersinnig, eine systematische Erwartungskonvergenz (sprich: Gleichgewichtstendenz) aufgrund ‚ähnlich‘ eindeutig wahrgenommener und interpretierter Marktsignale zu vermuten: Ein Stillstand des Marktprozesses ist unmöglich, weil stationäre Kontinuität des Einzelnen bzw. des Umfeldes unmöglich sind, der Marktprozeß weist über die Zeit weder einen exakt bestimmbaren Anfang noch ein Ende auf“ (Lachmann und Shackle, zitiert von Lingen, 1993, S. 171).
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